November 9th, 2010
Wer in die Psychiatrie eingewiesen wird, muss zwangsläufig verrückt sein, so zumindest die allgemein gültige Meinung. Doch ist dem tatsächlich so? Mitunter begibt man sich auch in psychologische Behandlung, weil man ein traumatisches Erlebnis verarbeiten will und muss. In diesem Fall kann keine Rede davon sein, dass die Betroffenen verrückt sind. Damit sie die Traumata aber besser verarbeiten können, lassen sie sich oft auf eine stationäre Behandlung ein, die einfach bessere und vor allen Dingen schnellere Erfolge mit sich bringt.
In der Psychiatrie sind auch keineswegs die Gummizellen, die Pritschen, auf denen die Bewohner mit Zwangsjacken festgebunden werden und ähnliche Einrichtungsgegenstände zu finden. Die Möbel sind ganz im Gegenteil sehr praktisch, teilweise sogar recht ästhetisch gehalten. In jedem Zimmer steht zumindest ein Bett zur Verfügung, sowie ein Schrank für die Kleidung. Darüber hinaus gibt es Tische, an denen gegessen wird, sowie Stühle. Fernseher und Telefone sind ebenfalls keine Seltenheit.
Der Aufenthaltsraum kann mit einem ausgestattet sein. Er eignet sich gut, um verschiedene Bereiche abzugrenzen. Der Raumteiler kann sowohl in Holzoptik daher kommen, als auch in Form eines klassischen Paravents oder als Trennwand.
Mittlerweile wird auch in der Psychiatrie großer Wert darauf gelegt, dass die Einrichtung nicht zu karg erscheint, damit die Menschen sich wohl fühlen. Sie sollen nach der erfolgreich abgeschlossenen Therapie schließlich wieder in ein normales Leben zurückkehren können und dazu gehört auch eine herkömmliche Einrichtung und keine Grauen verursachenden Gummizellen, wie sie in der Vorstellung vieler Menschen noch vorherrschen.
In der Psychiatrie leben ![]()
Auch bedeutet es nicht, dass man sich ausschließlich von verschiedenen Tabletten ernährt, wenn man eine Zeit in der Psychiatrie lebt. Vielmehr kann es sich rein um eine Behandlung in Form einer Gesprächstherapie handeln, die hier durchgeführt wird. Da aber innerhalb der Psychiatrie keine weiteren Ablenkungen vorhanden sind, können erste Erfolge schneller verbucht werden. Anschließend kann man sich erneut in kleinen Schritten dem Alltag wieder annähern.
So ist beispielsweise die Kaufsucht ambulant kaum zu behandeln. Denn das Einkaufen gehört zum ganz normalen Alltag, man kann sich diesem Suchtmittel nicht entziehen. Wer die Therapie stationär in der Psychiatrie durchführt, kann schneller einen Erfolg erzielen, da das Suchtmittel einfach nicht in ständiger Reichweite liegt. Anschließend wird in vielen kleinen Einzelschritten versucht, wieder einen Laden zu betreten und sich beim Einkauf tatsächlich strikt an die erarbeitete Liste zu halten.
Auf diese Weise können bestimmte Süchte über die ambulante Psychotherapie besser behandelt werden und dies bedeutet keineswegs, dass der Patient verrückt ist, wie oft angenommen. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass sich die Psychiatrie als solche immer weiter wandelt und einen Ort darstellt, der eher einem gepflegten Krankenhaus oder einem Heim für hilfebedürftige Menschen ähnelt, was sich eben auch an der Einrichtung widerspiegelt. Einzig die Büros der Ärzte zeigen, dass es sich um eine medizinische Einrichtung handelt. Hier wird die eigentliche Behandlung durchgeführt, bei der es oft um Gespräche geht, die helfen sollen, das Geschehene oder auch die Sucht zu verarbeiten. Dass die Gesprächstherapie in vielen Fällen helfen kann, ist mittlerweile ebenfalls bewiesen. Sobald die Patienten wieder gefestigt sind, können sie auch in den Alltag zurückkehren und sofern nötig die Therapie ambulant fortsetzen.
Foto: ©hofschlaeger / pixelio.de