Juli 1st, 2010
Die Ingenieurspsychologie ist ein Teilbereich der Arbeitspsychologie, der vor allem die Zusammenhänge zwischen Mensch und Maschine untersucht. Dabei werden die maximalen Aufnahmemengen des menschlichen Hirns in einer bestimmten Zeit betrachtet und auf dieser Basis wird versucht, ein möglichst effektives Mensch-Maschine-System zu entwickeln. Als eines der wichtigsten Themen in der Ingenieurspsychologie gilt dabei der menschliche Fehler oder auch Human Factor, der besonders große Risiken mit sich bringt.
Was der menschliche Fehler aus Sicht der Ingenieurspsychologie ist
Für die Definition menschlicher Fehler gibt es zwei verschiedene Ansatzpunkte. Sie untergliedern sich in die alte und die moderne Sichtweise menschlicher Fehler. Nach der alten Sichtweise sind menschliche Fehler oft die Ursache für Unfälle. Damit diese Fehler jedoch nachgewiesen werden können, müssen zunächst die Situationen bekannt sein, in denen es zu einer Fehleinschätzung kam.
Nach der neuen Sichtweise dagegen stellen menschliche Fehler auch Fehler im System dar, die deutlich tiefer liegen. Es wird nicht nur betrachtet, wo der Fehler entstanden ist, sondern genauso, warum die getroffene Entscheidung in einer bestimmten Situation Sinn ergab. In Qualitätsarbeit, spielen aber auch Faktoren wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit eine wichtige Rolle. Dafür gibt es Zeiterfassungssystemen wie Zeiterfassung Fingerabdruck
Menschliche Fehler passieren uns allen, sie können in jeder Lebenslage auftreten und mehr oder minder gefährlich wirken. Beim Bedienen von Maschinen, im Gesundheitsbereich oder beim Führen von Fahrzeugen ergeben sich besonders hohe Risiken durch menschliche Fehler.
Ursachen für menschliche Fehler
In der Ingenieurspsychologie wird natürlich ebenfalls nach den Ursachen für menschliche Fehler gesucht, die sich in drei große Untergruppen untergliedern lassen. Zum Einen können menschliche Fehler auf Basis der Psyche entstehen, womit wir wieder beim Thema Psychologie, genauer Ingenieurspsychologie wären.
Hierbei spielen vor allen Dingen Konzentrationsschwächen eine wichtige Rolle. Auch das Reaktionsvermögen kann beeinträchtigt sein, wenn die betreffende Person beispielsweise mit ihren Gedanken woanders ist. Auch kommt ein zu geringes Situationsbewusstsein für menschliche Fehler in Frage. In vielen Bereichen müssen auch binnen kürzester Zeit wichtige Entscheidungen getroffen werden. Werden diese dann nicht mit der nötigen Sorgfalt getroffen, kann es ebenfalls zum menschlichen Fehler kommen. Am Beispiel eines Arztes bedeutet dies, dass er ein Medikament gibt, ohne hinreichend über evtl. mögliche Nebenwirkungen nachgedacht zu haben. Ebenfalls kann es zur Annahme einer falschen Ausgangslage kommen, die die Entscheidungsfindung beeinflusst. Verantwortlich sind oftmals Missverständnisse, eine mangelnde Kommunikation oder unklar ausgedrückte Arbeitsanweisungen.
Besonders fatal ist natürlich eine leichtsinnige Sichtweise. Sie sorgt dafür, dass die Gefahr einer Situation unterschätzt oder gar vollständig ausgeblendet wird. Getreu dem Motto: „Es wird schon schief gehen“ wird dann eine mitunter dramatische Fehlentscheidung getroffen. Auch die Lustlosigkeit kann zu massiven menschlichen Fehlern führen. Hier ist das Motivationsvermögen der Vorgesetzten gefragt. Bei einer bereits stattgefundenen „inneren Kündigung“ passieren schneller Fehler. Zusätzlich können Missachtungen vorgeschriebener Vorgehensweisen oder Regeln zur Abarbeitung einzelner Aufgaben zu menschlichen Fehlern führen.
Ebenfalls führt Überforderung zum menschlichen Fehler. Sie entsteht oft durch eine personelle Unterbesetzung, durch den Ausfall wichtiger unterstützender Systeme oder durch massiven Stress, da sehr viele unterschiedliche Dinge binnen kürzester Zeit erledigt werden müssen. Ebenfalls können fehlende Kenntnisse zu menschlichen Fehlern führen. Aber auch eine allzu starke Routine kann dazu führen, dass Fehlentscheidungen getroffen werden (Stichwort: Betriebsblindheit).
Weiterhin können körperliche Faktoren für menschliche Fehler verantwortlich sein. Übermüdung, Erschöpfung, Verletzungen oder Krankheiten und Schmerzen führen häufig zu Fehlentscheidungen. Gleiches gilt für berauschende Mittel, wie Alkohol oder Drogen. Aus diesem Grund finden in bestimmten Berufsgruppen auch regelmäßig Kontrollen auf solche Mittel statt. Sobald diese nachgewiesen werden, darf die Arbeit nicht ausgeübt werden. Fehlerketten sind die dritte wichtige Gruppe der Ursachen für menschliche Fehler. Sie entstehen etwa, wenn ein technisches Problem eine Fehlentscheidung nach sich zieht, die wiederum weitere Kreise betrifft. Hierbei spricht man in der Ingenieurspsychologie auch vom Domino-Effekt.
Aufgrund der Vielfältigkeit der Ursachen für menschliche Fehler ist deren Erforschung von besonderer Bedeutung. Eine Analyse sollte in jedem Einzelfall stattfinden, um das Problem erkennen und beheben zu können.